MitBürger e.V. - Halle (Saale)

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Anfragen

Anfragen der MitBürger im Stadtrat von Halle (Saale)

04. Februar 2009

Umgestaltung am Schülershof

Anfrage der Stadträte Tom Wolter und Prof. Ludwig Ehrler

Nach Mitteilungen des Gestaltungsbeirates und der Tagespresse will die HWG mbH in nächster Zeit Gebäude im Gebiet Schülershof sanieren. Dieses Vorhaben ist zu begrüßen, stellt sich doch der dortige Plattenbaubestand - insbesondere im Hinblick auf die angrenzende historische Altstadt - als eine städtebaulich absolut unbefriedigende Lösung dar.

Die Sanierung müsste deshalb quasi eine Umgestaltung sein und als besondere Herausforderung gelten. Wir haben den Eindruck, dass mit der allzu kurzfristigen Vorlage der Sanierungsideen der HWG für den Gestaltungsbeirat die Diskussion um die Frage - Abriss der Plattenbauten oder Maßnahmen zu deren Verschönerung - unausgewogen und einseitig forciert worden ist. Vor allem durch die Abwesenheit von Herrn Dr. Pohlack im Gestaltungsbeirat am 02.02.200g ist die am 01.12.2008 eindeutig geäußerte Haltung der Verwaltungsspitze für den Abriss nicht angemessen zur Sprache gekommen und hat deshalb an Gewicht verloren. Wir bitten ein- dringlich zu bedenken, dass angesichts eines derart wichtigen Stadtteils - das eigenfliche historische Zentrum der Stadt - über dessen in der DDR-Zeit grundsätzlich zerstörte Struktur und deren Dauer in die Zukunft hinein, kurzfristig entschieden wird.

Wir fraqen:

will die Stadt die Chance einer historischen Struktur und dem Charakter der Halleschen In- nenstadt angemessenen modernen Neugestaltung an eine ferne Zukunft verschenken oder gar verstreichen lassen?

Gleichartiger Baubestand wird an den Rändern der Stadt unwidersprochen abgerissen. Warum soll er in ihrem Zentrum stehen bleiben, wo doch schon zu DDR-Zeiten Brunoswarte und Graseweg die Frucht der Kritik am Schülershof waren.

Muss man nicht sagen, dass die Stadt Halle aus kurzzeitigen wirtschaftlichen Interessen (HWG) eine klare und mutige, wiedergutmachende Entscheidung zu Gunsten der prachtvollen Innenstadt verwirft und anfängt zu basteln? Mit der vorliegenden Lösung wird der vorhandene Missstand zwar verschönert, aber dafür dauerhaft zementiert. Die Stadt Halle muss sich dieser Entscheidung bewusst sein.

Die Lösung eines bedeutenden städtischen Problems bedarf einer zeitlich und sachlich ausgedehnten Darstellung und Diskussion, um in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger der Stadt zu gelangen, so dass sich Für und Wider ausreichend abwägen können. Es gilt Überrumpelungen zu vermeiden.

Wir stellen deshalb die Fraqe, ob nicht doch eine gründlichere Diskussion über die Gesamtheit der Umgestaltung des Stadtteils Schülershof vorteilhafter wäre und eine dem Standort tatsächlich angemessene Lösung ermöglichen würde?

Antwort von Dr. Thomas Pohlack, Bürgermeister:

Das Vorhaben wurde zweimal öffentlich und ausführlich im Gestaltungsbeirat besprochen.

Dabei wurde insbesondere die Bedeutung der Umsetzung der Gesamtmaßnahme unterstrichen und die eventuelle Beeinträchtigung der Prägnanz der Halleschen 5-Türme- Silhouette durch das Hochhaus Schülershof 1 diskutiert.

Bei der Wiedervorlage des Projektes am 02.02.2009 würdigte der Gestaltungsbeirat ausdrücklich die Weiterentwickelung des Masterplanes auf der Grundlage der Empfehlungen des Gestaltungsbeirates aus der vorangegangenen Sitzung. Die Quartiere, sowie die öffentlichen und privaten Freiräume sind altstadttypisch und funktional sinnfällig formuliert; die geschickte Einfugung des neuen Baukörpers rm östlichen Teil des Quartiers hilft, die schwierige städtebauliche Situation in diesem Bereich befriedigend zu lösen. Die behutsame und zurückhaltende überformung des Quartiersabschlusses am Moritzkirchhof wird begrüßt. lm Zusammenspiel mit einer differenzierten Freiraumgestaltung fÜhrt dies zu einer Aufwertung des Viertels und kann zur sozialen Stabilisierung des Gebietes beitragen. Das Hochhaus Schülershof 1 wird entsprechend der vorgestellten niedrigeren Variante abgezont werden. Eine Beeinträchtigung der Stadtsilhouette ist zukünftig nicht mehr zu erwarten. Der Gestaltungsbeirat empfiehlt, die Entwicklung des Quartiers Schülershof auf der Grundlage des Mastärplans in der vorgestellten Form umzusetzen. Die Stadtverwaltung steht hinter dem Votum des Gestaltungsbeirates.