Wirtschaftsstandort Halle
Andreas Weber, Architekt
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Für die Stadt ist es im Zweifelsfall besser Klein- und Mittelständler aus Halle zu fördern und auf deren Wachstum zu setzen, da sie von diesen stärker profitiert, als von verlängerten Werkbänken. Trotzdem sollten die Türen für Neuansiedlungen jeglicher Größenordnung weiter offen stehen.
Die wirtschaftliche Situation Halles wird von zwei wesentlichen Grundaussagen bestimmt.
Halle (Saale) liegt in einem wirtschaftlichen Umfeld mit überdurchschnittlichem Entwicklungspotential - von dieser vorteilhaften Situation konnte die Stadt Halle jedoch bisher nur wenig profitieren.
Das überdurchschnittliche Potential der Region
Halle liegt in einer Wirtschaftsregion, die wie keine andere Region Ostdeutschlands es geschafft hat, nach den Einbrüchen Anfang der 90er Jahre neue nachhaltige Strukturbildner anzusiedeln und zu entwickeln. So sind in die Chemieparks in Bitterfeld-Wolfen, Leuna und Schkopau bis heute zweistellige Milliardenbeträge geflossen. Im benachbarten Leipzig gelang es eine Industriebranche komplett neu anzusiedeln. Erstmals in der Geschichte ist Leipzig ein bedeutender Produktionsstandort der Automobilindustrie. Der dritte Baustein, der der Region ein überdurchschnittliches Zukunftspotential erschließt, ist der Flughafen Leipzig/Halle. Insbesondere der Ausbau des Airports als Drehkreuz für den Frachtverkehr ist ähnlich bedeutend wie der Eisenbahnanschluss im 19. Jahrhundert. Diese drei Branchen bilden den privatwirtschaftlichen Entwicklungskern der Region.
Ergänzt werden die Branchen Chemie, Fahrzeugbau und Logistik durch weitere innovative Branchen, die in den nächsten Jahren das wirtschaftliche Wachstum der Region noch beschleunigen können. Zu den wichtigsten zählen die Produzenten von Solarzellen (Thalheim), Medien/Kommunikation (Halle und Leipzig) und stark wissensbasierte Unternehmen im Umfeld der Hochschulen und Forschungseinrichtungen (Halle, Leipzig und Merseburg).
Die Industrie in Halle
Seit Anfang der 90er Jahre verlor Halle 40 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und musste den Wegfall von ca. 78 Prozent der Industriearbeitsplätze verkraften. Im Jahr 2005 gab es in Halle noch 64 Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe, die mehr als 20 Beschäftigte zählten. Insgesamt waren in diesen Unternehmen 4.947 Personen angestellt. Bei einem Umsatz von 779 Mio. Euro wurden 18,4 Prozent im Export realisiert.
Die verbleibende Industriestruktur ist mittelständisch geprägt. Das größte Unternehmen ist die Pumpenfabrik KSB mit über 450 Beschäftigten. Weitere klassische Industrieunternehmen der Stadt sind Coca Cola, Halloren, Kathi und ABB. Strukturbildenden Charakter hat das verarbeitende Gewerbe nicht mehr. Dennoch besteht die Chance, dass sich der Sektor auf diesem äußerst niedrigen Niveau stabilisiert und in den nächsten Jahren zum Wachstum wieder beitragen kann. Es gilt den Vorteil zu nutzen, dass nach einer weitestgehenden Deindustrialisierung die Talsohle erreicht ist.
Die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe lagen in den vergangenen Jahren zwischen 25 und 50 Mio. Euro jährlich. Ein Trend ist nicht zu erkennen. In der Summe scheinen diese Zahlen jedoch zu niedrig zu sein, um die Zahl der Industriearbeitsplätze zumindest stabil zu halten.
Da es in den letzten 15 Jahren kaum gelungen ist große Industrieinvestitionen in die Stadt zu holen, sollte überlegt werden inwieweit vorhandene Ressourcen für die Förderung der bereits existierenden Unternehmen genutzt werden können.
Für die Stadt ist es im Zweifelsfall besser, Klein- und Mittelständler aus Halle zu fördern und auf deren Wachstum zu setzen, da sie von diesen stärker profitiert, als von verlängerten Werkbänken. Trotzdem sollten die Türen für Neuansiedlungen jeglicher Größenordnung weiter offen stehen.
Das Baugewerbe in Halle
Dr. Dirk Hackenholz, Wirtschaftshistoriker
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In einigen Branchen kann nur die Stabilisierung der Einwohnerzahl den weiteren Abschwung bremsen.
Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre befindet sich das Bauhauptgewerbe in Halle wie im gesamten Osten Deutschlands in der Dauerkrise. Von über 100 Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten waren 2005 nur noch 24 übrig. Die Zahl der Beschäftigten insgesamt verringerte sich von fast 7.000 1995 auf ca. 1.600 im Jahr 2005. Analog ist die Situation im Ausbaugewerbe. In 26 Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten arbeiteten etwas über 1.300 Personen.
Zwar konsolidierten sich im Bauhauptgewerbe seit 2002 die Umsätze bei etwa 250 Mio. Euro im Jahr, dennoch besteht die Gefahr eines weiteren Rückgangs auch in den nächsten Jahren. Bei weiter rückläufiger Bevölkerung, schwacher gewerblicher Baunachfrage und verhaltenen öffentlichen Investitionen ist eine nachhaltige Stabilisierung schwer erreichbar.
Öffentliche Arbeitgeber
Der größte Arbeitgeber der Stadt ist die öffentliche Hand. Hierzu zählen die Hochschulen, die Universitätsklinik, die Stadtverwaltung, das Landesverwaltungsamt, die Landes-versicherungsanstalt, öffentliche Kulturträger, MDR, Schulen, Justiz, Polizei, Kreisverwaltung Saalekreis, Arbeitsagentur, diverse Landesämter und auch die Bundeskulturstiftung (unvollständige Aufzählung). Insgesamt arbeiten in Halle schätzungsweise 15.000 Personen im öffentlichen Dienst bzw. bei Institutionen mit staatlichem bzw. halbstaatlichem Charakter. Das heißt in etwa jeder sechste Arbeitsplatz wird vom Staat in Halle direkt vorgehalten. Ähnlich gewichtig sind die Träger öffentlicher Belange (Kommune, Land, Bund und EU) bei Investitionen oder bei der Verteilung von Aufträgen.
Bei einer weiter zu erwartenden Reduzierung der Beschäftigtenzahlen im öffentlichen Dienst, (Sparmaßnahmen oder Auflösung einzelner Institutionen) wird dieser wichtige Eckpfeiler der hallischen Wirtschaft auch in den nächsten Jahren schrumpfen. Aber auch hier ist Gegensteuerung möglich. Mittel könnten sein: Stabilisierung der Bevölkerungszahlen, Ansiedlung von Bundes- oder EU-Behörden, Ansiedlung öffentlicher Forschungseinrichtungen oder Halle noch stärker als überregionalen Bildungsstandort etablieren.
Dienstleister
Der größte Teil der in Halle tätigen Personen und Unternehmen arbeitet auf dem weiten Feld der Dienstleistungen. Zu den Großen zählen die Stadtwerke, Sparkasse, die Bahn, Post, Telekom, enviaM, Dell, oder buw. Dennoch hat Halle auch in diesem Sektor keinen Firmensitz (außer stadteigene Unternehmen) eines überregional bedeutsamen Unternehmens. Selbst die Filialen großer Versicherungen, Banken und anderer Dienstleister stehen nicht selten im Schatten der Leipziger Filiale. Dennoch besteht insbesondere bei den Dienstleistern mit überregionalen Märkten die größte Chance dem Schrumpfungsprozess der anderen Branchen entgegen zu wirken. Viele kleine innovative Unternehmen besitzen außerordentliches Wachstumspotential.
Schwerer hingegen haben es die Dienstleister, die personenbezogene Dienstleistungen im regionalen Umfeld anbieten. Mit der weiteren Abnahme der Bevölkerung und der damit verbundenen Gesamtkaufkraft schwindet auch das Marktpotential für Frisöre, Fahrschulen, Anwälte oder Einzelhändler. Auch in diesem Bereich kann nur eine Stabilisierung der Einwohnerzahl Abhilfe schaffen. Gleiches gilt auch für die Mehrzahl der in Halle tätigen Handwerksbetriebe.