MitBürger e.V. - Halle (Saale)

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Stadtverkehr

STADTVERKEHR MUSS ALLEN DIENEN

Grundsatzüberlegungen für die Verkehrsplanung in Halle (Saale)

Manfred Sommer

Manfred Sommer, Stadtplaner a.D. :

Die optimale Entwicklung des städtischen Verkehrs kommt der Quadratur des Kreises nahe.

Die optimale Entwicklung des städtischen Verkehrs kommt der Quadratur des Kreises nahe. Bei ständig zurück gehenden Mitteln für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, wird von der Stadt eine ausgewogene Berücksichtigung des Auto-, des Fahrrad- und des Fußgängerverkehrs erwartet. Zugleich verlangen die Menschen einen eng getakteten ÖPNV, der es ermöglicht alle relevanten Ziele im Stadtgebiet zu erreichen. Die Subventionierung des öffentlichen städtischen Nahverkehrs wird trotz der hohen Kosten von keiner politischen Gruppe in Frage gestellt.

Erschwert wird die Suche nach Lösungen durch den weiteren Rückgang der Einwohnerzahl, der sich zum einen in einer zurückgehenden Nachfrage beim ÖPNV zeigt und zum anderen aber nicht die zu bedienende Fläche reduziert. Das heißt, dass für immer weniger Menschen ein nahezu konstantes Verkehrsnetz aufrechterhalten wird, welches darüber hinaus sogar noch an verschiedenen Stellen einen weiteren Ausbau erfährt.

Doch damit nicht genug, aus stadtplanerisch verständlichen Gründen suchen engagierte Hallenser nach einer Alternative zu der die Innenstadt zerschneidenden Hochstraße. Egal für welche Alternative man sich entscheiden würde, sie alle wären mit hohen Kosten verbunden. Des Weiteren ist die Schließung des Autobahnrings um Halle nach erfolgreichen Klagen für Jahre verzögert worden, was die erhoffte Entlastung vom Durchgangsverkehr vorerst verhindert.

Auch wenn wir "kleinere Probleme", wie fragwürdige Ampelschaltungen, Fahrradwegführungen, die nicht immer den Bedürfnissen der Nutzer folgen oder immer längere Ausbesserungszyklen bei den Nebenstraßen unserer Stadt außer acht lassen, so kommen wir dennoch am Ende immer zum selben Ergebnis. Die Verkehrsinfrastruktur in ihrer jetzigen Ausdehnung, in ihrer jetzigen Nutzung und bei den Wünschen, die wir auch noch für die Zukunft haben, können wir uns zumindest mittelfristig eigentlich nicht leisten.

Für die Kommunalpolitik heißt das, dass wir aus gewohnten Denkmustern ausscheren müssen. Es kann nicht mehr alles öffentlich finanziert werden. Wer zum Beispiel eine weitere Saalequerung will, der muss diese privatwirtschaftlich finanzieren. Um das städtische Staßennetz zu entlasten bedarf es intensiverer Überlegungen zur Verkehrsvermeidung. In diesem Bereich sind ohnehin aufgrund der von der EU geforderten Richtwerte, Konzepte zu Umweltzonen oder anders geregelten Fahrverboten zu diskutieren. Hilfreich können auch die Erfahrungen anderer Städte sein, die mit ihren Konzepten schon den einen oder anderen Lösungsansatz gefunden haben.

Ansätze in Richtung privatwirtschaftliche Finanzierung können bereits beim so genannten "ruhenden Verkehr" beobachtet werden. Parkhäuser sowohl mit öffentlichen Charakter, als auch Quartiersgaragen entspannen an immer mehr Punkten in der Stadt die Parkplatznot. Durch den Rückbau vieler Häuser entsteht zu dem genügend Raum, um mit Hilfe dieses Modells weitere Parkmöglichkeiten für Bewohner und Gäste der Stadt zu schaffen. Die Verkehrsplanung muss sich dabei bemühen, dass die Parkhäuser soweit es geht unkompliziert erreicht werden können. Autofahrer, die Wissen, wo sie parken können erzeugen weniger Verkehr und entlasten damit auch das Straßennetz und die Umwelt.

Unter Beachtung dieser Grundsatzüberlegungen sollten die Verkehrskonzepte der Stadt Halle überarbeitet werden. Zudem ist ein Ranking der Probleme und Aufgaben zu erstellen. Eine solche Aufstellung sollte durch die Verwaltung vorbereitet und dann im Stadtrat sowie in der Öffentlichkeit diskutiert werden.