MitBürger e.V. - Halle (Saale)

::

Stadt und Umland

STADT UND UMLAND

Portrait Dummy

Dr. Dirk Hackenholz, Wirtschaftshistoriker :

Dort wo hauptsächlich die Bürger Halles einkaufen, dort wo sie wohnen und dort wo sich die Stadt räumlich hinentwickeln wird, dort muss auch die Stadt Halle sein. Eingemeindungen sind aufgrund suburbaner Entwicklungen nach 1990 einfach notwendig geworden.

Eingemeindungen sind aus raumplanerischen und funktionalen Erwägungen sinnvoll. Ordnungspolitisch falsch ist jedoch die Argumentation, dass die Umlandgemeinden einen Extrabonus für großstadttypische Angebote, wie die medizinische Versorgung oder das Kulturangebot leisten müssen. Oberzentren sind prinzipiell für alle Landesbewohner da. Entsprechende Kosten müssen daher landesweit erbracht werden und nicht nur von den Bürgern der engeren Region.

Kriterien für eine Eingemeindung können konkret quantifiziert werden. Besonders deutlich wird dies bei der städtischen Wohn- und der Handelsfunktion. Historisch fand der Handel auf den Märkten der Stadt statt, später in den Kaufhäusern und Kaufhallen sowie Spezialgeschäften innerhalb des Stadtgebietes. Heute gibt es eine Tendenz, den eigentlich originären städtischen Handel aus der Stadt heraus ins Umland der Stadt zu verlagern. Der Stadt gehen unter anderem Umsatzsteuern und städtisches Leben verloren. Eine Möglichkeit den Handel wieder in die Stadt zu holen ist Orte einzugemeinden, die an Stelle des historischen Marktes getreten sind.

Analog zum Handel stellt sich die Situation beim Wohnen dar. Einige Umlandgemeinden hatten seit 1990 einen Einwohnerzuwachs von mehr als 50 Prozent. Hallenser sind in so genannte Vororte gezogen. Dennoch ist ihr weiterer Lebensmittelpunkt die Stadt. Sie arbeiten oder lernen in Halle, sie verbringen große Teile ihrer Freizeit in der Stadt und identifizieren sich weiterhin mit ihr. Durch den Umzug der Hallenser in die Vororte weitete sich der urbane Raum aus. Die Wohnfunktion gehört aber zu einem funktionierenden Stadtorganismus, daher muss auch hier mit Hilfe von Eingemeindungen gegen gesteuert werden.

Eine weitere Notwendigkeit für Eingemeindungen ergibt sich aus Fragen, die mit der Entwicklung von Gewerbegebieten und den Erfordernissen einer modernen Verkehrsinfrastruktur zu tun haben. Die Stadt Halle entwickelt sich aufgrund des Flughafens, der Autobahnen und der Nachbarschaft zu Leipzig in Richtung Südosten, hin zur sächsischen Landesgrenze. Auch hier ist zumindest zu prüfen inwieweit Eingemeindungen zur Lebensfähigkeit der Stadt beitragen können oder administrative Prozesse deutlich vereinfachen würden.