MitBürger e.V. - Halle (Saale)

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Meldungen + Meinungen

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18. Juni 2008

Wohin mit der Kultur?

Amtsblattartikel von Tom Wolter am 22. Juni 2008

Wenn das Ziel eines Bauvorhabens kein Neubau, sondern eine Renovierung ist, werden die Mieter rechtzeitig darüber informiert, in welchem Umfang modernisiert werden soll. Die Arglosigkeit, die bisher im Prozess des Umbaus der Kultureinrichtungen in Halle an den Tag gelegt worden ist, verwundert uns sehr.

Die künstlerische und kulturelle Vielfalt, die sich vor dem Zweiten Weltkrieg und in den 40 Jahren der DDR -  mit ihrem sehr speziellen Kunst- und Kulturverständnis - entwickelt hat und auch in den letzten 18 Jahren ein fester Bestandteil des Selbstverständnisses unserer Stadt geblieben ist, gilt es weiterhin zu verteidigen.

Wir alle wissen, dass die Künste personal- und kostenintensiv sind. Die Kunst kann und darf aber nicht mit dem Wirkungsgrad eines wirtschaftlichen Unternehmens gemessen werden. Die Kultureinrichtungen sind das Leben in unserer Stadt, die unangefochten an der Spitze stehen müssen. Notwendig sind dafür verlässliche Partner in der Politik. Vertreter der Einrichtungen dürfen nicht den falschen Eindruck haben, dass in Halle das Verständnis für komplexe künstlerische Vorgänge, für den Anspruch eines wunderbaren Konzerts und für eine originäre Theateraufführung fehlt. Künstler und technische Mitarbeiter der Häuser benötigen klare Perspektiven. Eine ständige Verschiebung der Diskussion führt verständlicherweise nur zu Sorgen und Ängsten. Die Chance, welche sich mit der Gründung der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle öffnet, kann nur erfolgreich genutzt werden, wenn damit verbindliche Perspektiven - eine langfristige Finanzierungsvereinbarung und eine vernünftige Personalpolitik - verbunden sind!

Wir stehen hinter dem Anspruch, die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt zu verstetigen und auch neuen Formen der Künste Raum und Perspektive zu geben. Denn die Künste sind eben nicht soziokulturelle Nebenbeschäftigung, sondern der Boden auf dem unsere Stadt steht - in ihrem Selbstverständnis und ihrem Blick in die Zukunft.

Natürlich müssen wir laufend unsere Aufwendungen nach unseren Möglichkeiten ausrichten. Erfreulich ist, dass die OB Frau Szabados sich in den Verhandlungen mit dem Land um eine Beibehaltung der bisherigen Förderhöhe einsetzt! Doch holt uns nun die oft vertagte Diskussion wieder ein: Wie viel Kultur braucht unsere Stadt?

Aufgrund der gemachten Erfahrungen fehlt uns die Hoffnung, dass neben Etatkürzungen Zukunftsweisendes entschieden und langfristige Perspektiven eröffnet werden. Wir tragen also unser Bekenntnis zu den Theatern und dem Orchester weiter vor uns her.